„Krabumm, wir sind da!“

Klaviere aus Aserbaidschan? Wie im Kaukasus aus dem Nichts ein Kulturstandort entsteht und dem Westen den Spiegel vorhält

Welt am Sonntag, 18. September 2011

Als die russische Opernsängerin Antonina Nezhdanova 1910 einen ihrer gefeierten Auftritte in der boomenden aserbaidschanischen Hauptstadt hatte, wurde sie gefragt, wann sie Baku wieder beehren würde. "Vielleicht nie", antwortete sie. Sie sei es nicht gewohnt, in Casinos oder Zirkushallen aufzutreten. Umgehend versprach der Millionär Daniel Mailov ein Opernhaus zu bauen. Nach einem Jahr war es fertig.

Hundert Jahre später erlebt Aserbaidschan seinen zweiten Ölboom, und mit dem neuen Reichtum hat auch die Kulturspekulation wieder das alte Tempo erreicht. An die Kolossalkultur von Dubai und Abu Dhabi hat man sich in Europa gewöhnt. Doch wer die Zusammenhänge von Geld und nationalem Geltungsdrang studieren möchte und die Erfindung eines Kulturstandortes aus dem Nichts, sollte in den Kaukasus reisen.

Vor drei Jahren bekam der Klavierbauer Hans Leferink eine Einladung nach Baku. Leferink hatte im Werk seines Großvaters gearbeitet, seit er fünfzehn war: Beltmann Pianos, gegründet 1901 im holländischen Deventer. Das Klavier war Bildungsinstrument und Statussymbol der bürgerlichen Gesellschaft. Heute produziert kaum noch ein Hersteller in Europa. "Wenn du einen Bechstein hörst, denkt jeder: ein deutsches Klavier", erklärt Leferink. "Wenn ich einen Bechstein höre, klingt das chinesisch: Ni hao, wie geht's? So geht's heute!"

Nachdem er sein Werk in Bayern aufgegeben hatte, hatte Leferink eine chinesische Firma geleitet und sich gerade auf den Ruhestand gefreut, da saß er in Baku vor neuen Geldgebern. Die blätterten kurz in seinen Plänen und fragten: "Wann kannst du anfangen?" Leferink erkundete das Land nach Standorten und entdeckte in Gabala, nahe der Grenze zu Russland, eine alte sowjetische Tabakfabrik, unter deren Dächern Maschinentrümmer vor sich hin rotteten.

Drei Jahre später haben die ersten zwölf "Beltmann-Pianos" und drei Flügel Europa erreicht, sie kamen mit dem Schiff wie die Särge von Nosferatu, sie stehen am Hafen von Rotterdam und warten auf die Genehmigung des Zolls. Sie sollen ins rheinische Kleve reisen, wo Leferinks Frau den ersten Beltmann-Flagship-Store leiten wird. Der zweite entsteht in Moskau. 7000 Euro kostet das Spitzenmodell, weniger als ein Drittel eines Steinways. "Aber wir sind besser als Steinway", sagt Leferink, "und das werden wir denen auch zeigen."

Hans Leferink ist auf den ersten Blick ein Anachronismus. Ein Selfmade-Man wie die schwäbischen Weinbauern, die im 19. Jahrhundert in den Kaukasus kamen und in Hellenendorf und Annenfeld Wein anbauten und Kognak brannten. In seinem Arztkittel erinnert er an Anthony Hopkins in der Rolle des skrupellosen Sanatoriumsdirektors Dr. Kellogg's in "Willkommen in Welville": Er agiert völlig angstfrei. Er gleitet durch Widerstände wie eine Kreissäge durch Fichtenholz.

Bis zu vierzehn Stunden brauchte Leferink zunächst für die Fahrt von der Hauptstadt nach Gabala. Heute dauert sie drei. Auf neuen Straßen rast der Taxibus zwischen Kühen und Gemüseständen, russischen Ladas und koreanischen Jeeps über die östlichen Ausläufer des Kaukasus. An den Ortseinfahrten sind die Sowjetmonumente ersetzt durch Nationalflaggen und Springbrunnen im Neojugendstil. In schwindelerregendem Tempo bringt das Land die Vergangenheit hinter sich und rüstet auf: wirtschaftlich, militärisch wie kulturell.

Bislang war Gabala höchstens für die sowjetische Radarstation bekannt, die als großer Kasten bedrohlich auf einem Bergkamm thront und den Flugverkehr des halben Globus' überwachen kann. Bald endet der Mietvertrag mit Russland, und die USA bemühen sich um den nächsten. An der alten Seidenstraße gelegen, ist Aserbaidschan eine Wiege und Schatzgrube der Menschheitsgeschichte, und so werben viele Industrienationen um Schürfgenehmigungen, nicht nur für Öl und Gas, auch für kulturelle Relikte. Zwanzig Kilometer südlich von Gabala fördern Archäologen die Hauptstadt des antiken kaukasisch-albanischen Reiches zutage, während zwischen den goldverzierten Laternenmasten der Innenstadt Bagger des Firmenkonsortiums Gilan die Zukunft aufbauen. Gilan gehört auch die ansässige Asphaltfabrik, die Saftfabrik und – die Klavierfabrik. Geführt wird die Gruppe von der Nichte des Ministers für Ausnahmesituationen. Eine Einsatzzentrale für Zivil- und Katastrophenschutz steht direkt neben der Klavierfabrik.

"Vor vier Jahren gab es hier nicht einmal Warmwasser", sagt deren Geschäftsführer Dmitry Yablonsky. Für den jüdischen Dirigenten und Cellisten, in den USA aufgewachsen, ist Aserbaidschan "ein fantastisches Beispiel: Seit 3000 Jahren leben hier Muslime und Juden in perfekter Harmonie." Yablonsky nimmt bald seine dritte Orchestereinspielung mit aserbaidschanischen Kompositionen beim Naxos-Label auf, subventioniert von der aserbaidschanischen Regierung. Er lehnt neben Farhad Badalbeyli, dem Rektor der Musikakademie von Baku, im Sessel unter einem Kronleuchter im neuen Resorthotel. Das gehört auch Gilan. Die beiden leiten im dritten Jahr das Internationale Musikfestival von Gabala. Denn wenn man schon eine Klavierfabrik in die Berge baut, wo vorher nur ein Kuhdorf war, warum nicht auch ein Klassikfestival? Und wenn schon ein Klassikfestival, warum nicht auch ein Luxushotel? Und wenn eins, warum nicht gleich drei?

Letztes Jahr spielte das Londoner Royal Philharmonic in Gabala, dieses Jahr dirigierte Terje Mikkelsen aus Norwegen, Shlomo Mintz aus Israel spielte Violine und Anna Samuil von der Berliner Staatsoper sang Operetten. Im Publikum mischten sich Ärzte- und Hirtenfamilien, Bravorufe und Handyklingeln. Der Eintritt ist frei. "Wie kann es sein, dass ein Ticket für die Luzerner Festspiele 500 Euro kostet?", gibt Yablonsky zu denken. "Das ist Kultur für Reiche." Wie es dagegen sein kann, dass ein Ticket für Gabala nichts kostet, ist eine der vielen Fragen, die sich dem verblüfften Besucher hier stellen.

In Hans Leferinks Büro übt gerade ein chinesischer Nachwuchspianist am Chefklavier. Im Showroom gibt die Virtuosin Oxana Yablonskaya, Yablonskys Mutter, Meisterkurse für die Teilnehmer des Klavierwettbewerbs von Gabala. Denn wenn man schon eine Klavierfabrik in die Berge baut und ein Klassikfestival, warum nicht auch einen internationalen Klavierwettbewerb?

Im Eingang empfängt auf Fotos der frühere Sowjet-Sekretär Heydar Aliyev, der in den Unruhen nach der Unabhängigkeit 1993 das Präsidentenamt übernahm, um es vor seinem Tod an Sohn Ilham zu übergeben. Aliyevs Gesicht prangt im ganzen Land auf Plakaten und Ziertellern, es liefert die quasireligiöse Autorität, unter der der Sohn agiert. "Dynastische Präsidialautokratie" nennt die Stiftung Wissenschaft und Politik das aserbaidschanische System, in dem die Opposition nur einen Parlamentssitz hat, der Präsident per Referendum seine unbegrenzte Wiederwahl ermöglicht hat und der Wohlstand nur langsam aus der Oberschicht nach unten sickert.

Der alte Aliyev handelte den Waffenstillstand mit Armenien aus und Förderverträge mit westlichen Ölfirmen, aus denen jetzt der Reichtum sprudelt. Europa braucht das kaspische Gas, um unabhängiger von Russland zu werden. Deshalb schüttelt man in Aserbaidschan den Kopf darüber, dass die EU noch immer zögert, die geplante Nabucco-Pipeline zu bauen.

Derweil fließt 170 Grad heißes kaspisches Öl durch die Rohre einer Saunakammer, in der die Stahlrahmen für die Beltmann-Klaviere aushärten. Rekordschnelle sechs Monate dauert die Prozedur, deren Energieaufwand wohl nirgendwo anders bezahlbar wäre. Arbeiter montieren die Resonanzböden, heben Saitenführungen aus. Das Nussbaumholz ist aus Amerika, der Ahorn aus Tunesien, die Tanne aus Österreich. Alles an den Beltmann-Klavieren ist handgemacht, und so sehen sie, bei allen akustischen Stärken, auch aus. "Steinways sind filigraner", gibt Beltmann zu. "Aber wir sind keine filigranen Leute. Wir sind geradeaus: Krabumm – wir sind da."

Über 900 Arbeitslose lud Leferink ins Büro des Hoteldirektors. Inzwischen arbeiten 115 Männer und Frauen in der Fabrik, zivile 42,5 Stunden pro Woche, für 180 bis 300 Manat im Monat, umgerechnet 265 Euro. Kommt jemand zu spät: "Zack, 5 Manat." Davon werden die Überstunden bezahlt. Hat jemand die grüne Beltmann-Uniform nicht an: "Zack, 5 Manat." Arbeitet jemand ohne Ohrschutz und Sicherheitsschuhe, wie alle: Sein Problem. Wird jemand beim Schmuggeln erwischt: Gekündigt. Gewerkschaften? "Wie buchstabiert sich das."

Gestreikt wird nur auf Kommando des Chefs: Dreimal hat Leferink wegen ausbleibender Löhne die Fabrik geschlossen. Krabumm – das Gehalt war da. Leferink bringt eine handfeste Verbindlichkeit in eine Wirtschaft, die von Gefälligkeiten und Vorteilsnahme geprägt ist und in der sich freie Meinungsäußerung nicht lohnt. "Mit mir kann man nicht handeln", sagt er, nachdem er einen Käufer von 35 Klavieren verabschiedet hat. "Wir sind hier nicht im Basar."

Wo genau man in Gabala allerdings ist, ist für den Fremden nicht leicht zu durchschauen. Man mochte sich vor der Anreise ja manches vorstellen, aber nicht, dass direkt vor dem Hotel ein Vergnügungspark wartet: "Qabaland". Aber gut, wenn man schon eine Klavierfabrik in die Berge baut und ein Klassikfestival und drei Luxushotels, warum nicht auch einen Vergnügungspark?

So eröffnet sich von der privilegierten Beobachterposition am Hotelbalkon ein Idealmodell der Spektakelgesellschaft: Die Reichen hängen im Pool, die Armen an den Armen der Fahrgeräte. Ganz geht das Bild nicht auf, denn den Familienausflug nach Qabaland kann sich etwa ein Angestellter der Klavierfabrik kaum leisten. Es sind eher vom wachsenden Wohlstand profitierende Hauptstädter, die ihren Kindern auf dem Twister zuwinken. Die Gegend mit ihrer guten Bergluft ist ein beliebtes Urlaubsziel, auch für Aserbaidschaner aus dem Ausland.

Glückliche Kinderskulpturen aus Bronze dienen in Qabaland als Animateure und verraten die Rollenzuweisung für die Bevölkerung in diesem Nationbuilding am Reißbrett: die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, friedlich mit Bildung und Reproduktion der Arbeitskraft beschäftigt.

"Vielleicht lässt sich manches Kind anregen, ein Instrument zu lernen", betont auch Festivalleiter Yablonsky den Bildungsgedanken, und Badalbeyli erzählt von der reichen Klassiktradition Aserbaidschans, beim Gabala-Festival repräsentiert etwa durch den herausragenden Bariton Javid Samedov. Aserbaidschan war nicht nur die erste islamische Demokratie, hier hatte 1908 auch die erste Oper des Orients Premiere: "Lejli und Medschnun" von Üsejir Hadshibejow, die auf der traditionellen Improvisationskunst Mugham aufbaute.

Der größte Unterschied zwischen dem heutigen und dem vorsowjetischen Kulturleben ist die zentrale Steuerung: Die Präsidentengattin persönlich entscheidet über die Mittel der Heydar Aliyev Stiftung, die Kirchen und Moscheen finanziert und Festivals wie das Jazzfest in Baku und das Musikfestival von Gabala. Die zunehmende Abhängigkeit der Kultur von privater Finanzierung, die Europa erfährt, lebt man in Aserbaidschan von Staatsseite vor.

Bis zu 500 Studenten besuchten in Baku die Akademie, sagt Badalbeyli, "viele gewinnen internationale Preise." Andere sagen, dass nur Chancen hat, wer Beziehungen hat, und schicken ihre Kinder zum Studium ins Ausland.

Zu den Gewinnerinnen gehört die junge Mugham-Sängerin Ravana Arabova, die vor dem atemberaubenden Holzpalast in der alten Fürstenstadt Seki ein fantastisches Konzert gab. Für solche Erlebnisse lohnt die Reise in den Kaukasus, eher als für die Best-ofs aus Opernschlagern. Doch statt über programmatische Innovationen sprechen die Festivalleiter lieber über die geplante Konzerthalle, gebaut von einem japanischen Stararchitekten. Denn wenn man schon eine Klavierfabrik in die Berge baut und ein Klassikfestival und drei Luxushotels und einen Vergnügungspark und eine Akademie für Klavierbau, warum nicht auch eine Konzerthalle?

Ach ja, die Akademie für Klavierbau. Sie wird die weltweit erste ihrer Art, Hans Leferink soll sie leiten, der für sie auch einen eigenen Konzertsaal für 350 Zuhörer entwirft.

Schon denken die Festivalleiter an Ableger in anderen Regionen, etwa im durch die armenischen Besatzungen vom Hauptland getrennten Shirvan. "Vielleicht nächsten Mai", sagt Badalbeyli so lässig, als geschehe hier eh alles von selbst, und zitiert für den entgeisterten Gast Napoleon: "Erst müssen wir den Kampf eröffnen, dann sehen wir weiter."

Es ist ein atemberaubendes Entwicklungsprogramm, das das einstige Dorf Gabala erfährt, in dem noch immer vierzig Prozent Arbeitslosigkeit herrscht. Mit Mühe finden sich die Hotelkellner in die neue Rolle. Früher kam hier nie ein Reicher her, jetzt teilen sie sich ein Haus mit Tony Adams.

Tony Adams war einst legendärer Abwehrspieler bei Arsenal London und Kapitän der britischen Nationalmannschaft. Nun baut er als Manager und Trainer den FC Gabala auf. Adams ließ drei Trainingsplätze bauen, "der Belag ist besser als jeder in England". In zehn Monaten stellte er eine Mannschaft zusammen, die zehn Spiele ohne Gegentor gewann. Bei Heimspielen fahren Busse in die umliegenden Dörfer und holen Zuschauer, kostenlos natürlich. Hinterher sitzt die Mannschaft bei Chips in der obersten Hoteletage im eigenen Kino und schaut sich die britische Premier League an. Aserbaidschan ist Großbritannien ja um vier Stunden voraus. Nächstes Jahr soll der FC Gabala in der Champions League spielen. Adams' Chef wollte der Stadt ein Stadion für 30 000 Zuschauer bauen, aber Adams bremste: 13 000 seien genug.

Tony Adams macht in Gabala also das gleiche wie Hans Leferink, nur in Fußball. Der Club gehört dem Sohn des Ministers für Ausnahmesituationen.

Europa scheint man in Aserbaidschan jedenfalls nicht zwangsläufig zu brauchen, auch nicht zum Klavierverkaufen. Schulen sind auszustatten, und wenn im nächsten Mai der Grand Prix aus Baku gesendet wird, achte man an den Klavieren auf das Herstellerlogo. "Die Märkte kreierst du", antwortet Leferink auf die Frage nach Businessstrategien. Krabumm: Auch die Märkte erfinden sie sich hier noch selbst.

In der aserbaidschanischen Art des Wirtschaftens finden offenbar die Stärken kapitalistischer und sowjetischer Planwirtschaft zusammen. Nicht nur die teils uneingeforderten Zugaben nach Konzerten weisen auf ein recht loses Verhältnis von Angebot und Nachfrage hin: In Aserbaidschan kommt erst das Angebot und dann vielleicht die Nachfrage. Yablonsky und Badalbeyli finden den Gedanken lustig und erwähnen beiläufig ein Pferderennen, das am letzten Festivaltag im Ort statt findet.

Klar. Wenn man schon eine Klavierfabrik in die Berge baut und ein Klassikfestival und drei Luxushotels und einen Vergnügungspark, eine Konzerthalle und ein Fußballstadion, warum nicht auch eine Pferderennbahn? Und warum dann nicht gleich einen Flughafen mit Direktverbindung nach Moskau und Istanbul? Im Januar wurde mit dem Bau begonnen, im Dezember soll er fertig sein.

Schon macht hinter vorgehaltener Hand auch schon der nächste Gedankenschritt die Runde: Wenn man das alles gebaut hat und auch einen Flughafen hat mit Direktverbindung nach Moskau und Istanbul und nach Baku, warum holt man nicht gleich die ganzen Ministerien hier hoch in die Berge, wo die Luft besser ist und man im Winter Ski fahren kann, und erklärt Gabala zur neuen Hauptstadt? Yablonsky und Badalbeyli grinsen: "Das sind wir doch schon."

Stünde nur noch die sowjetische Radarstation im Wege, deren Strahlung krank macht. Leferink: "Die wird wahrscheinlich bald abgeschaltet."

Da steht dann am Abend der Gast aus Deutschland am Hotelbalkon, blickt über die aseptische Ordnung der Ferienhäuschen und die Lichtspiele von "Qabaland" über die kaukasischen Berge in die Nacht, eine romantische Szene, und die atemlose Berauschtheit der letzten Tage kippt in einen Schwindel, in dem die Grenzen zwischen Realität und Investitionsplan verschwimmen: Hans Leferink, Dmitry Yablonsky, die Klavierfabrik, das Festival, die Künstler, die Anwohner, Tony Adams, die Pferderennbahn und natürlich wir teuer eingeflogenen Journalisten (danke): Sind wir nur Noten im gigantischen Werk eines großen Komponisten, Verfügungsmasse eines Masterplans, der nur Mittel kennt und keine Zwecke?

Die Erfahrung des Erhabenen: Die vertrauten Maßstäbe geraten ins Wanken, das bewährte Koordinatensystem kollabiert. Es ist die abendländische Ökonomie symbolischer Werte, unter der sich hier der Boden auftut, eine Ökonomie, die auf Verknappung beruhte und der Fiktion des Originals. Man blickt zurück auf gut zweihundert Jahre bürgerlichen Kulturbetrieb und fragt sich, ob er je etwas anderes als ein großer Hokuspokus war, dem jetzt hier im Orient, von Abu Dhabi bis Gabala, Krabumm, ein riesengroßer Spiegel aufgestellt wird.

Hans Leferink: "Der letzte macht in Europa das Licht aus."

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für kunstkritik 2012