Highlights 2013

Frieze d/e haben für ihren Blog Autorinnen und Autoren um persönliche Jahresrückblicke gebeten.

frieze d/e, 10. Dezember 2013

Massimilano Gioni, The Encyclopedic Palace, 55. Biennale von Venedig Jahrelang hat das Museum, dieser Apparat zur Klassifizierung und Hierarchisierung der Welt, den Blick auf sich selbst gewendet und sich in knöchernem Neokonzeptualismus und 16-mm-Projektionen als Problem beleuchtet. Und im „Enzyklopädischen Palast“, der Hauptausstellung der 55. Biennale von Venedig, war das Problem plötzlich weg. Stattdessen: Leichtigkeit, Offenheit und trotzdem Trennschärfe. Und nebenbei noch die Anerkennung des Internets. Das Museum als alter Freund, als Outsider unter anderen.

Va., Heimatlieder aus Deutschland, CD (Run United) und Konzerte (Komische Oper & HAU 2, Berlin) Wie ein Volkstribunal saßen rund 100 Berliner Musiker auf der Bühne und traten nacheinander in Gruppen auf, mit Marrabenta aus Mosambik (The Mahu Gang), Klapa-Gesang aus Dalmatien (Klapa-Berlin) oder vietnamesischen Singspielen (Quan h? Chor Berlin). Migrationsforscher Mark Terkessidis und Labelbetreiber Jochen Kühling hatten Berlin nach Laien-Ensembles durchforstet, die Traditionen ihrer Herkunftsländer neu beleben. Geniales Konzept, und das Ergebnis völlig entwaffnend: die Erneuerung des Heimatliedes aus der Mitte der Gesellschaft.

Nick Knight, Video zu Kanye Wests Bound 2 Der Rapper auf dem Motorrad über der fast nackt hingestreckten Verlobten, dahinter reinmontierte Hypertrophien von US-Landschaftsromantik. Das stetige sanfte Wippen, Kim Kardashians Haar, das gegen den Fahrtwind weht, und manchmal wendet sie entrückt den Blick zu mir, als wäre das hier mein eigener Traum. Diese Freiheit, dieses Ja zum Ich und zur Lust, dieses distanzlose Herauskehren von Distanz: Hyperreflexiver YouPorn für Superreiche, eine Umpolung des geschmacklichen Magnetfelds – aber von oben!

Susanne A. Friedel, beyond fashion, U-Bahnhof Kurfürstenstraße und U-Bahnhof Tempelhof, Berlin Europäische Models tragen H&M-Klamotten, daneben die Herstellungskosten (z.B. „0,15€“) und Berichte von Textilarbeiterinnen in China oder Bangladesch über Ausbeutung und Missbrauch. Kein Spendenkonto, um Geld zu schicken, kein Logo, das sich zwischen mich und das Geschehen stellt. Und kein Künstlername, der Credit will. Huch: ein Loch im System! Wegweisender Höhepunkt des Projekts Kunst im Untergrund der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK).

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für kunstkritik 2012