Anti-Clubmusik

Das Duo Telepathe aus Brooklyn steht auf der Bühne des Picknick rum

Der Tagesspiegel, 03. Mai 2009

Singen können sie wirklich nicht, Busy Gangnes und Melissa Livaudais von Telepathe. Aber okay, darauf kommt es nicht an. Die beiden It-Girls aus Brooklyn pflegen eine verschrobene, sich verweigernde Anti-Clubmusik. Dabei wird deutlich, dass man sich heute kaum noch in Ruhe verweigern kann, wo die richtige Haltung nicht mehr ist als eine flüchtige Währung in der Aufmerksamkeitsökonomie des globalen Hipstertums. Kaum war das Debütalbum Dance Mother verschickt, versahen es die trendverständigen Gazetten schon mit entsprechenden historischen Verweisen (zum Dream Pop der Cocteau Twins etwa). Zu viel Projektionswut für eine noch zu zarte Pflanze.

Telepathe rufen das Bild zweier stilbewusster, etwas verklemmter Mädchen auf, die sich im Club unschlüssig auf dem Flur rumdrücken und später am Laptop ein paar Soundskizzen basteln. Das Ergebnis ist durchaus charmant, mit dünnen Mädchenchören und kühlen Synthie-Flächen über rumpelnden Marching-Band- Trommeln und zähen Bässen, die sich dehnen wie haftstarker Kaugummi. Jeder Part wie ein letztes Aufraffen. Beim Clubkonzert im Picknick wirken die beiden aber selbst nicht ganz glücklich. Hinten drängeln sie rein und raus, in der Mitte stehen sie rum und vorne werfen drei Jungs ekstatisch die Hände in die Luft, als müssten sie zwanghaft eine Vorstellung von Dabeisein demonstrieren. Schwer zu sagen, was hier geschieht. Oder was geschehen soll. Wäre es jetzt uncool, nach Leidenschaft zu fragen?

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für kunstkritik 2012